Rudolf-Kischkel.de

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Winterharte Orchideen

Botanik

                                                 Winterharte Orchideen
Vor mehr als 10 Jahren begann meine Leidenschaft für diese wunderbaren Pflanzen. Da seltenes oder Rariräten immer einen gewissen Reiz ausüben war auch ich davon angetan und beschäftigte mich erst einmal im Vorfeld (und das sollte jeder machen) welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um ein Überleben für die einzelnen Arten zu gewährleisten. Als wichtigstes Kriterium ist, das der Boden in dem die Orchideen gepflanzt werden sollen einige Jahre nicht mit Stalldünger versorgt wurde. Weiterhin ist bei den Cypripedien auf ein sehr lockeres Substrat wert zu legen, das durch verschiedene mineralische Zusätze erfolgen kann. Es kommt bei der Bodenvorbereitung aber auch auf eine gute Wasserhaltigkeit an (keine Staunässe), die man bei sandigen Böden durch die Zugabe von Lehm erreichen kann. Ich habe über viele Jahre Versuche mit der Bodenaufbereitung gemacht und bekam bei meinem Lehmboden die besten Ergebnisse in dem reichlich Rheinsand (Körnung 0-2) und Bims zugesetzt wurden. Als Abdeckung gegen eine zu schnelle Austrocknung verwende ich ca. 4 Jahre Pinienrinde (0-7) entgegen manch anders lautender Empfehlungen und die Pflanzen gedeihen Prächtig. Meine Cypripedum reginea haben sich auch schon durch Samen selbst vermehrt. Die Epipactis helleborine und Epipactis Sabine wuchern mittlerweile so stark, dass sie der Reginae bald den Platz wegnehmen.
Leider hält sich der Zuwachs der Epipactis palustris arg in Grenzen. Sie stirbt nicht, vermehrt sich aber auch nicht so rasant.
Wer einen lemigen Boden sein Eigen nennt und den Rasen nicht wie ein Vorzeigeobjekt behandelt, sondern sich auch über Gänseblümchen erfreut, kann mit etwas Glück (so wie bei uns) und geschultem Auge Dactylorhiza (Knabenkräuter) entdecken, die sich in der Wiese ausgesät haben. Diese kleinen Sämlinge haben ein etwas breiteres Blatt wie ein Grashalm und bei genauem Hinsehen kann man den oder die Typischen braunen Flecken auf der Oberfläche des Blattes entdecken. In den letzten Jahren haben meine Frau und ich in etwa 150 Sämlinge vorsichtig freigelegt und an Standorte gepflanzt die für den Rasenmäher nicht erreichbar sind.
Es mag für den Betrachter aus der Ferne schon komisch aussehen warum die Nachbarn im Frühjahr über den Rasen krabbeln.

Nun folgen ein paar Bilder von 2005, die ich von verschieden Orchideen im laufe der Jahre gemacht habe. Sie zeigen unter anderem Sämlinge von artreinen Cypripedien aber auch einige Hybriden und adulte Pflanzen von beiden.
Bei einigen Bildern ist ein milchiger Belag auf den Pflanzen zu sehen, der von einer Spritzung mit Euparen (Bayer) herrührte und einen Pilzbefall erfolgreich bekämpfte.
                            Bilder zum Vergrößern bitte anklicken!

Nun folgen einige Bilder von einer Neuanlage für Orchideen und wie sie sich darin entwickelt haben.

                                  Das neue Beet ein paar Jahre später.

                                                 Vermehrung
Orchideen vermehren sich normalerweise durch Samen aber auch vegetativ d.h. durch Rhizome (Wurzelausläufer).  In der modernen Botanik werden Pflanzen immer mehr unter sterilen Bedingungen vermehrt. Die Profis setzen eine Cleanbench (steriele Werkbank) ein, mit deren Hilfe ein durch einen Hepafilter steriles und somit fast unendliches Vermehren von Pflanzen möglich ist. Im Jahre 2003 hatte ich eine andere Variante der Vermehrung gewählt, in dem ich die Samen über Wasserdampf (ist auch steril) auf einem Nährboden in Vitro ausgesät hatte. Nachdem sich die Protokorme entwickelten müssen diese wieder geteilt und auf neuen Nährboden gesetzet werden (natürlich alles steril). Im weiteren Verlauf etablieren sich kleine Sämlinge, die zum richtigen Zeitpunkt in das entgültige Beet gepflanzt werden können.
Epipactis lassen sich sehr gut durch Rhizomteilung vermehren. Dactylorhiza lassen sich durch Teilung der Knollen gut vermehren.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Herren Erich Maier , Werner Frosch und Karl Heinz Härtl, die als Pioniere in der Forschung um die Kultivierung und Etablierung von Gartenorchideen eine große Bedeutung haben und mir mit vielen Ratschlägen zur Seite standen.

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü